... newer stories
Sonntag, 10. Januar 2010
Atemschaukel - zwei Drittel
almut_zirkel, 20:33h
Ich gebe Bernd völlig recht. Insgesamt kommen viele Stellen und Bilder ungeheuer bedeutungsschwer daher, sind aber, beim näheren Betrachten, widersinnig oder sogar Unsinn.
Schon der Anfang:
Alles, was ich habe, trage ich bei mir.
Oder: Alles Meinige trage ich mit mir.
Getragen habe ich alles, was ich hatte. Das Meinige war es nicht.
Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn Wörter als Stimmungserzeuger eingesetzt werden und nehme es da nicht so genau. Aber bei so einer Konstruktion MUSS man es doch genau nehmen. Und also: Wozu erst ein Fass aufmachen, um es dann Lügen zu strafen? Und wenn schon diese Konstruktion, hätte man die ersten beiden Sätze nicht in umgekehrter Reihenfolge schreiben müssen?
Dann: Das Personifizieren von Gefühlen und Gegenständen (der Hungerengel, die Langeweile, der Zement) ist ja an sich eine prima Sache. Aber hier haben so viele von ihnen so oft ein Eigenleben, dass es öde wird. Was mir andererseits gefiel: das Eigenleben von Wörtern (HOTEL, HASOWEH)
Insgesamt ist mir die Sprache auch - wie Bernd schon schrieb - zu "osteuropäisch magerlyrisch". Auch finde ich die Bilder (viel Farben, viel Natur plus ein profanes Element, was das Ganze in sich bricht) oft abgegriffen. Das ganze Kapitel der Planton-Kati (S. 101) ist für mich so ein Beispiel: Die Verrückte rennt mit flatternden Armen durch die Gegend und gurrt wie eine Taube dabei, gibt scheinbar unsinnige Antworten, deren Sinn man sich aber erschließen kann, und ist natürlich total niedlich. Wobei immerhin ur Diskussion gestellt werden muss, ob Verrückte vor sechzig Jahren tatsächlich klischee-verrückt waren als heute.
Und die Erlebnisse eines russischen Arbeitslagers vor sechzig Jahren weitgehend auf Betrachtungen von stofflichen Phänomenen wie der Kuckucksuhr, des Zements, der Schaufeln zu beschränken, finde ich theoretisch interessant - aber doch nur theoretisch. Praktisch habe ich mich oft dabei ertappt, wie ich wieder zwei Seiten gelesen hatte und meine Gedanken dabei abgeschweift waren.
Schon der Anfang:
Alles, was ich habe, trage ich bei mir.
Oder: Alles Meinige trage ich mit mir.
Getragen habe ich alles, was ich hatte. Das Meinige war es nicht.
Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn Wörter als Stimmungserzeuger eingesetzt werden und nehme es da nicht so genau. Aber bei so einer Konstruktion MUSS man es doch genau nehmen. Und also: Wozu erst ein Fass aufmachen, um es dann Lügen zu strafen? Und wenn schon diese Konstruktion, hätte man die ersten beiden Sätze nicht in umgekehrter Reihenfolge schreiben müssen?
Dann: Das Personifizieren von Gefühlen und Gegenständen (der Hungerengel, die Langeweile, der Zement) ist ja an sich eine prima Sache. Aber hier haben so viele von ihnen so oft ein Eigenleben, dass es öde wird. Was mir andererseits gefiel: das Eigenleben von Wörtern (HOTEL, HASOWEH)
Insgesamt ist mir die Sprache auch - wie Bernd schon schrieb - zu "osteuropäisch magerlyrisch". Auch finde ich die Bilder (viel Farben, viel Natur plus ein profanes Element, was das Ganze in sich bricht) oft abgegriffen. Das ganze Kapitel der Planton-Kati (S. 101) ist für mich so ein Beispiel: Die Verrückte rennt mit flatternden Armen durch die Gegend und gurrt wie eine Taube dabei, gibt scheinbar unsinnige Antworten, deren Sinn man sich aber erschließen kann, und ist natürlich total niedlich. Wobei immerhin ur Diskussion gestellt werden muss, ob Verrückte vor sechzig Jahren tatsächlich klischee-verrückt waren als heute.
Und die Erlebnisse eines russischen Arbeitslagers vor sechzig Jahren weitgehend auf Betrachtungen von stofflichen Phänomenen wie der Kuckucksuhr, des Zements, der Schaufeln zu beschränken, finde ich theoretisch interessant - aber doch nur theoretisch. Praktisch habe ich mich oft dabei ertappt, wie ich wieder zwei Seiten gelesen hatte und meine Gedanken dabei abgeschweift waren.
... link (0 Kommentare) ... comment
... older stories