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Freitag, 12. März 2010
Primo Levi: Ist das ein Mensch?
bernd_buch, 23:41h
Nach anfänglichen Schwierigkeiten - das schien im Zirkel ähnlich der Fall gewesen zu sein - habe ich das Buch gern gelesen.
Die anfänglichen Schwierigkeiten: Teils werden sie auf die Übersetzung zurückgehen. Die etwas altmodische und stilistisch oft zu hoch greifende Übersetzung stört. Das Wort "Kot" für "Dreck" zu benutzen, war auch 1961 schon anachronistisch. Nur an der Übersetzung liegt es aber nicht. Der Anfang kam mir oft schwülstig und sehr allgemein vor:
- "... wieder andere berauschten sich an letzter, abscheulicher Leidenschaft." (S. 14)
- "Und ich blickte um mich und sann, wen alles von diesem armseligen menschlichen Staub das Schicksal anrühren werde." (S. 17)
Aber das legte sich schnell. Mit der Ankunft im Lager wird der Ton vergleichsweise sachlich. Die Beschreibung der ersten Zeit im Lager fand ich noch etwas dröge - mehr so wie einen von vielen Berichten aus dieser Zeit, und eben keine Literatur. Vermutlich liegt das daran, dass man inzwischen mit gerlei Material eher überversorgt ist, was zu Levis Zeit nicht der Fall war.
Aber auch das legt sich schnell. An etwa Seite 60 ist die autobiografische Erzählung (Roman würde ich das nicht nennen) detailliert, präzise und gerade in Schilderung der zwischenkreatürlichen Beziehungen ausgezeichnet. Auch die Mischung aus Essay (z.B. die erste Hälfte des Kapitels ab S. 104) und Erzählung funktioniert gut und gibt dem Ganzen einen überzeugenden Rahmen.
Zum Schluss noch etwas Spekulation zu einem merkwürdigen Detail:
"Mit Muselmann bezeichneten die Lagerveteranen aus mir unerfindlichen Gründen die schwachen, untauglichen und selektionsreifen Häftlinge."
Ich würde vermuten, dass die Quelle des Ausdrucks der (zu meiner Schulzeit noch oft gesungene) alte Kanon ist:
"C-A-F-F-E-E, trink nicht so viel Kaffee!
Nicht für Kinder ist der Türkentrank,
Schwächt die Nerven, macht dich blaß und krank,
Sei doch kein Muselmann, der ihn nicht lassen kann."
Interessant auch die Biografie des Übersetzers, Heinz Riedt:
http://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_Riedt
Die anfänglichen Schwierigkeiten: Teils werden sie auf die Übersetzung zurückgehen. Die etwas altmodische und stilistisch oft zu hoch greifende Übersetzung stört. Das Wort "Kot" für "Dreck" zu benutzen, war auch 1961 schon anachronistisch. Nur an der Übersetzung liegt es aber nicht. Der Anfang kam mir oft schwülstig und sehr allgemein vor:
- "... wieder andere berauschten sich an letzter, abscheulicher Leidenschaft." (S. 14)
- "Und ich blickte um mich und sann, wen alles von diesem armseligen menschlichen Staub das Schicksal anrühren werde." (S. 17)
Aber das legte sich schnell. Mit der Ankunft im Lager wird der Ton vergleichsweise sachlich. Die Beschreibung der ersten Zeit im Lager fand ich noch etwas dröge - mehr so wie einen von vielen Berichten aus dieser Zeit, und eben keine Literatur. Vermutlich liegt das daran, dass man inzwischen mit gerlei Material eher überversorgt ist, was zu Levis Zeit nicht der Fall war.
Aber auch das legt sich schnell. An etwa Seite 60 ist die autobiografische Erzählung (Roman würde ich das nicht nennen) detailliert, präzise und gerade in Schilderung der zwischenkreatürlichen Beziehungen ausgezeichnet. Auch die Mischung aus Essay (z.B. die erste Hälfte des Kapitels ab S. 104) und Erzählung funktioniert gut und gibt dem Ganzen einen überzeugenden Rahmen.
Zum Schluss noch etwas Spekulation zu einem merkwürdigen Detail:
"Mit Muselmann bezeichneten die Lagerveteranen aus mir unerfindlichen Gründen die schwachen, untauglichen und selektionsreifen Häftlinge."
Ich würde vermuten, dass die Quelle des Ausdrucks der (zu meiner Schulzeit noch oft gesungene) alte Kanon ist:
"C-A-F-F-E-E, trink nicht so viel Kaffee!
Nicht für Kinder ist der Türkentrank,
Schwächt die Nerven, macht dich blaß und krank,
Sei doch kein Muselmann, der ihn nicht lassen kann."
Interessant auch die Biografie des Übersetzers, Heinz Riedt:
http://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_Riedt
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