Donnerstag, 17. Juni 2010
Glauser / Studer / Matto
Hier nun ein paar vermischte Anmerkungen zu Friedrich Glausers "Wachtmeister Studer" und "Matto regiert":

Glausers Stil:
Auf den ersten Blick kommt die Sprache der Romane sehr einfach daher. Was bei Krimis ja auch sinnvoll ist - im Vordergrund stehen Plot, Personen, Szenerie. Ganz so schlicht ist der Stil aber nicht. Die Mischung aus einfacher Sprache, Elementen des Dialekts und knappen, strahlenden Bildern macht viel von der Atmosphäre aus. Es ist ein Normal, ein Alltag von Nordlichtern illuminiert. Ein Beispiel (aus "Matto", Kapitel "Sonntägliches Schattenspiel"):

"Die Abenddämmerung verging, die Nacht stieg auf. Am Himmel, der flaschengrün war wie Mattos Fingernägel, trat zuerst ein Stern hervor, dessen Schein blau war wie die Lampe im Wachsaal B. Und dann kam die Dunkelheit. Sie war schwarz. Kein Mond leuchtete."

Besonders effektiv sind hier die beiden letzten Sätze - gerade weil sie, denkt man drüber nach, vom Wortsinn her ja ganz überflüssig sind. Für die Atmosphäre aber nicht, was noch dadurch verstärkt wird, dass die verschachtelte Beschreibung zuvor ganz vom Irrenhaus geprägt ist. Und dann wirds schwarz. Und kurz. Und anders.

Die direkte Rede, die einen großen Anteil hat, ist ebenfalls sehr effektiv - die Figuren werden oft mehr dadurch, wie sie sprechen, als durch Beschreibungen charakterisiert (dabei ist die Sache mit dem Dialekt natürlich sehr hilfreich).

Insgesamt hat Glauser vom Expressionismus einiges gelernt - siehe "Berlin Alexanderplatz", wo Dialekt und grelle Bilder auch keine kleine Rolle spielen.

Mischmasch:
- Interessant fand ich - in der Ausgabe des Unionsverlags ist das ja wahrscheinlich angemerkt? - dass in der Schweiz bei der zweiten Auflage von "Matto regiert" (1943) all die Stellen "bereinigt" wurden, die sich auf Hitler beziehen. In der Arche-Ausgabe die ich habe fehlen diese Stellen noch (da Nachdruck), sind aber im Anhang wiedergegeben.

- Am Ende von "Matto" wird das Gedicht "Apropos Einsamtkeit!" von Erich Kästner zitiert (nicht ganz richtig) bzw. dessen vom jungen Caplaun besorgte Vertonung gesungen. Weiß jemand, ob es eine solche Vertonung seinerzeit gab?

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