Dienstag, 6. Juli 2010
Robert Walser: Räuber-Roman
bernd_buch, 00:54h
Titel:
Der Text selbst hat keinen Titel, d.h. die Titel "Der Räuber" - oder in meiner Ausgabe "Räuber-Roman" - stammen von den Herausgebern. Die Figur des Räubers bezieht sich auf ein Aquarell von Roberts Bruder Karl Walser, das den 15-jährigen Robert im Kostüm als Karl Moor aus Schillers "Die Räuber" zeigt. Im Roman wird dieses Bild u.a. so beschrieben:
"Ein Aquarellbildchen, das ein jugendlicher, kaum dem Knabenalter entwachsener Maler ausführte gab uns zu all diesen kulturellen Zeilen den Anlaß. Freuen wir uns dieses Sieges der Kunst." (S. 148 in meiner Ausgabe - Robert Walser: Aus dem Bleistiftgebiet, Band 3)
Erzähler und Räuber:
Die beiden Figuren vermischen sich hier und da - wobei der Erzähler doch immer peinlich darum bemüht ist, sich vom Räuber abzugrenzen: "Ich bin ich, und er ist er. Ich habe Geld, und er hat keines. Darin besteht der große Unterschied." (S. 149) Das Doppelspiel bleibt aber oft undurchsichtig. Die Untaten des Räubers bestehen darin, schlecht gekleidet zu sein, Kellnerinnen anzuhimmeln, Texte zu plagieren - und ein Tagdieb zu sein. Der Erzähler, der auch Schriftsteller ist, ist ihm in Vielem ähnlich, nur ist er nicht nachlässig gekleidet, hält sich vordergründig an gewisse Regeln - und hat Geld.
Denken lässt sich bei diesem Doppelspiel natürlich auch an die Brüder Franz und Karl Moor in "Die Räuber".
Manuskript / Veröffentlichung:
Der Roman wurde erstmals 1972 veröffentlicht. Ob Walser ihn zu Lebzeiten veröffentlichten wollte, ist nicht bekannt. Eine Reinschrift hat sich nicht erhalten - was aber nichts bedeuten muss, da aus dieser Zeit auch bei zahlreichen anderen Walser-Texten, die in Zeitschriften etc. abgedruckt wurden, nur die Druckfassung und die "Bleistift-Fassung" bekannt sind, nicht aber die Reinschrift, die Walser notwendig erstellen musste, um einen Text anbieten zu können.
Aus veröffentlichten Texten, die aus der selben Zeit stammen, weiß man, dass Walser in der Regel die Bleistift-Entwürfe in der Reinschrift etwas gestrafft hat. Sehr groß sind die Unterschiede aber nicht. D.h. man kann davon ausgehen, dass das Räuber-Manuskript einer autorisierten Fassung ziemlich ähnlich wäre.
Dafür, dass der Text zu Lebzeiten nicht veröffentlicht wurde, kommen mehrere Gründe in Frage:
- Walser hat eine Reinschrift erstellt, für das Buch aber keinen Verlag gefunden.
- Walser hat keine Reinschrift erstellt und das Buch nicht veröffentlichen wollen, weil ihm Teile davon zu persönlich waren.
- Walser wollte das Buch veröffentlichen, sah aber nach den Erfahrungen mit dem (verschollenen) Roman "Theodor", den er zwischen 1921 und ca. 1927 erfolglos mehreren Verlagen anbot, keine Möglichkeit, diesen Roman irgendwo unterzubringen.
Form / Stil:
Wie immer bei Walser, dessen Werk ja überwiegend aus "Prosastücken" besteht, die sich in keine Kategorie so recht einordnen lassen, werden alte literarische Formen veräppelt, verhackstückt oder auch abgekanzelt: "Irgend etwas in sich nicht genügend Begründetes schwoll und quoll in dem Buch hoch empor. Gott, wie sich diese Figürchen da mit Ermunterung ihres Autors wichtig nahmen" (Räuber-Roman, S. 122). Der Räuber hingegen wird ein "Lump" genannt - "Und warum sagten sie ihm das? Ganz einfach deshalb, weil ihm immer noch kein passender Roman erstand" (S. 109).
Wie Walser bestimmte Konventionen - Charakterisierung von Figuren, Psychologie, Szenen- und Landschaftsbeschreibungen umformt - ist an folgender Stelle gut zu sehen:
"Der Räuber kam nun zu einem nicht mehr vorhandenen alten Haus, oder besser gesprochen, zu einem alten Haus, das man wegen seines Altertums abgebrochen hatte und jetzt nicht mehr dastand, indem es aufgehört hatte, sich bemerklich zu machen. Er kam also rund herausgesagt zu einer Stelle, an der einst ein Haus gestanden hatte. Diese Umschweife, die ich da mache, haben den Zweck, Zeit auszufüllen, denn ich muss zu einem Buch von einigem Umfang kommen, da ich sonst noch tiefer verachtet werde, als ich bereits bin. Es kann unmöglich so weitergehen" (S. 84).
Hier stellt sich spielerisch die Frage, warum, wenn Häuser wegen Altertums abgebrochen werden, überkomme Erzählformen stehen bleiben sollen. Die Antwort: Die Romankonventionen erfordern es, und Seiten müssen nun eben mal gefüllt werden. Da die Konventionen fix sind, ist es auch gar nicht erforderlich sich etwas auszudenken, weitgehend gleichartige Beschreibungen sind ja zur Genüge vorhanden: "Aus den Urwäldern, so liest man in Zeitungen, ragen vor den Augen staunender Reisender riesige Bauten auf" (S. 29). Und: "Bevor er Wanda kennenlernte, hatte er zahlreiche Landschaftseindrücke geraubt. Merkwürdiger Beruf, das" (S. 30).
Im vorletzten Abschnitt wird hingegen eine Szene einmal ganz konventionell aufgebaut: Ort = Kirche, Zeit = anberaumte Stunde (15 h 30), Personal = Repräsentantinnen, Stimmung = angeregt, gespannt. Und dann hält Walser die Zeit an: "Natürlich machte die Zeit von Minute zu Minute Fortschritte. Daß sie nie den Einfall hat, endlich einmal stillzustehen, berührt manchen intelligenten Menschen als etwas Eigentümliches. Es wäre so interessant, so neu, wenn alles, alles gleichsam friedlich im Bettchen läge und schliefe und ruhte, ruhte. Aber das wird vermutlich nie vorkommen" (S 136).
Ähnlich setzt Walser Vorgriffe und Abschweifungen ein. Gleich die Eröffnung - das gehört für mich zu den schönsten zwei Sätzen in der Literatur - schafft hier gewissermaßen Klarheit: "Edith liebt ihn. Hievon nachher mehr." Um zu diesem Satz zu kommen, brauchen andere 80 Seiten "hievon". "Übrigens scheinen uns das selbstverständlich zunächst nur Phrasen" (S. 72).
Summa summarum:
Lieber hätte ich hier natürlich unzählige Lieblingsstellen zitiert - das Buch ist ja voll von allersaftigsten Formulierungen. Und sehr sehr lustig! Ganz einfach zu lesen ists zwar nicht, und man muss sich an Sprachstil und Satzkonstruktionen ein wenig gewöhnen. Wie ans Trinken von schwarzem Kaffee: " 'Weg mit der Milch, sie schmeckt mir einfach nicht, dagegen aber her mit dem Kaffee, denn er schmeckt mir.' Wie das in die Nacht hinaustönte, dieses Miclhgeringschätzen, dieses Kaffeepreisen.
Der Text selbst hat keinen Titel, d.h. die Titel "Der Räuber" - oder in meiner Ausgabe "Räuber-Roman" - stammen von den Herausgebern. Die Figur des Räubers bezieht sich auf ein Aquarell von Roberts Bruder Karl Walser, das den 15-jährigen Robert im Kostüm als Karl Moor aus Schillers "Die Räuber" zeigt. Im Roman wird dieses Bild u.a. so beschrieben:
"Ein Aquarellbildchen, das ein jugendlicher, kaum dem Knabenalter entwachsener Maler ausführte gab uns zu all diesen kulturellen Zeilen den Anlaß. Freuen wir uns dieses Sieges der Kunst." (S. 148 in meiner Ausgabe - Robert Walser: Aus dem Bleistiftgebiet, Band 3)
Erzähler und Räuber:
Die beiden Figuren vermischen sich hier und da - wobei der Erzähler doch immer peinlich darum bemüht ist, sich vom Räuber abzugrenzen: "Ich bin ich, und er ist er. Ich habe Geld, und er hat keines. Darin besteht der große Unterschied." (S. 149) Das Doppelspiel bleibt aber oft undurchsichtig. Die Untaten des Räubers bestehen darin, schlecht gekleidet zu sein, Kellnerinnen anzuhimmeln, Texte zu plagieren - und ein Tagdieb zu sein. Der Erzähler, der auch Schriftsteller ist, ist ihm in Vielem ähnlich, nur ist er nicht nachlässig gekleidet, hält sich vordergründig an gewisse Regeln - und hat Geld.
Denken lässt sich bei diesem Doppelspiel natürlich auch an die Brüder Franz und Karl Moor in "Die Räuber".
Manuskript / Veröffentlichung:
Der Roman wurde erstmals 1972 veröffentlicht. Ob Walser ihn zu Lebzeiten veröffentlichten wollte, ist nicht bekannt. Eine Reinschrift hat sich nicht erhalten - was aber nichts bedeuten muss, da aus dieser Zeit auch bei zahlreichen anderen Walser-Texten, die in Zeitschriften etc. abgedruckt wurden, nur die Druckfassung und die "Bleistift-Fassung" bekannt sind, nicht aber die Reinschrift, die Walser notwendig erstellen musste, um einen Text anbieten zu können.
Aus veröffentlichten Texten, die aus der selben Zeit stammen, weiß man, dass Walser in der Regel die Bleistift-Entwürfe in der Reinschrift etwas gestrafft hat. Sehr groß sind die Unterschiede aber nicht. D.h. man kann davon ausgehen, dass das Räuber-Manuskript einer autorisierten Fassung ziemlich ähnlich wäre.
Dafür, dass der Text zu Lebzeiten nicht veröffentlicht wurde, kommen mehrere Gründe in Frage:
- Walser hat eine Reinschrift erstellt, für das Buch aber keinen Verlag gefunden.
- Walser hat keine Reinschrift erstellt und das Buch nicht veröffentlichen wollen, weil ihm Teile davon zu persönlich waren.
- Walser wollte das Buch veröffentlichen, sah aber nach den Erfahrungen mit dem (verschollenen) Roman "Theodor", den er zwischen 1921 und ca. 1927 erfolglos mehreren Verlagen anbot, keine Möglichkeit, diesen Roman irgendwo unterzubringen.
Form / Stil:
Wie immer bei Walser, dessen Werk ja überwiegend aus "Prosastücken" besteht, die sich in keine Kategorie so recht einordnen lassen, werden alte literarische Formen veräppelt, verhackstückt oder auch abgekanzelt: "Irgend etwas in sich nicht genügend Begründetes schwoll und quoll in dem Buch hoch empor. Gott, wie sich diese Figürchen da mit Ermunterung ihres Autors wichtig nahmen" (Räuber-Roman, S. 122). Der Räuber hingegen wird ein "Lump" genannt - "Und warum sagten sie ihm das? Ganz einfach deshalb, weil ihm immer noch kein passender Roman erstand" (S. 109).
Wie Walser bestimmte Konventionen - Charakterisierung von Figuren, Psychologie, Szenen- und Landschaftsbeschreibungen umformt - ist an folgender Stelle gut zu sehen:
"Der Räuber kam nun zu einem nicht mehr vorhandenen alten Haus, oder besser gesprochen, zu einem alten Haus, das man wegen seines Altertums abgebrochen hatte und jetzt nicht mehr dastand, indem es aufgehört hatte, sich bemerklich zu machen. Er kam also rund herausgesagt zu einer Stelle, an der einst ein Haus gestanden hatte. Diese Umschweife, die ich da mache, haben den Zweck, Zeit auszufüllen, denn ich muss zu einem Buch von einigem Umfang kommen, da ich sonst noch tiefer verachtet werde, als ich bereits bin. Es kann unmöglich so weitergehen" (S. 84).
Hier stellt sich spielerisch die Frage, warum, wenn Häuser wegen Altertums abgebrochen werden, überkomme Erzählformen stehen bleiben sollen. Die Antwort: Die Romankonventionen erfordern es, und Seiten müssen nun eben mal gefüllt werden. Da die Konventionen fix sind, ist es auch gar nicht erforderlich sich etwas auszudenken, weitgehend gleichartige Beschreibungen sind ja zur Genüge vorhanden: "Aus den Urwäldern, so liest man in Zeitungen, ragen vor den Augen staunender Reisender riesige Bauten auf" (S. 29). Und: "Bevor er Wanda kennenlernte, hatte er zahlreiche Landschaftseindrücke geraubt. Merkwürdiger Beruf, das" (S. 30).
Im vorletzten Abschnitt wird hingegen eine Szene einmal ganz konventionell aufgebaut: Ort = Kirche, Zeit = anberaumte Stunde (15 h 30), Personal = Repräsentantinnen, Stimmung = angeregt, gespannt. Und dann hält Walser die Zeit an: "Natürlich machte die Zeit von Minute zu Minute Fortschritte. Daß sie nie den Einfall hat, endlich einmal stillzustehen, berührt manchen intelligenten Menschen als etwas Eigentümliches. Es wäre so interessant, so neu, wenn alles, alles gleichsam friedlich im Bettchen läge und schliefe und ruhte, ruhte. Aber das wird vermutlich nie vorkommen" (S 136).
Ähnlich setzt Walser Vorgriffe und Abschweifungen ein. Gleich die Eröffnung - das gehört für mich zu den schönsten zwei Sätzen in der Literatur - schafft hier gewissermaßen Klarheit: "Edith liebt ihn. Hievon nachher mehr." Um zu diesem Satz zu kommen, brauchen andere 80 Seiten "hievon". "Übrigens scheinen uns das selbstverständlich zunächst nur Phrasen" (S. 72).
Summa summarum:
Lieber hätte ich hier natürlich unzählige Lieblingsstellen zitiert - das Buch ist ja voll von allersaftigsten Formulierungen. Und sehr sehr lustig! Ganz einfach zu lesen ists zwar nicht, und man muss sich an Sprachstil und Satzkonstruktionen ein wenig gewöhnen. Wie ans Trinken von schwarzem Kaffee: " 'Weg mit der Milch, sie schmeckt mir einfach nicht, dagegen aber her mit dem Kaffee, denn er schmeckt mir.' Wie das in die Nacht hinaustönte, dieses Miclhgeringschätzen, dieses Kaffeepreisen.
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almut_zirkel,
Donnerstag, 8. Juli 2010, 01:13
Im Selbstreferentiellen gefangen?
Finde ich alles sehr interessant und schlüssig. Ich hatte aber öfters - und gerade auch bei der von dir erwähnten Stelle mit dem abgerissenen Haus - das Gefühl, dass Walser aus einer gewissen Verweigerungshaltung heraus (sicher auch dem Literaturbetrieb gegenüber) so "herumdaddelt", bisschen mit Worten spielt, bisschen sich treiben lässt, "ach, das ist doch ein hübsches Gedankenspiel, das bring ich jetzt mal" und den Leser bewusst im Regen stehen lässt. Dazu diese selbstreferentiellen Betrachtungen und Ausbrüche über sein Dasein als Schriftsteller - also, ich fühlte mich manchmal als Leser für etwas bestraft, wofür ich keine Schuld habe. Was ich dem lieben Walser aber nur zu gerne verzeihe!
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bernd_buch,
Dienstag, 13. Juli 2010, 01:22
Walsers Tagebuch-Fragment von 1926
Ich habe im Anschluss an den Räuber noch ein paar andere Sachen von Walser gelesen. Im Zusammenhang mit dem Räuber-Roman ist das sog. "Tagebuch-Fragment" von 1926 (kurz nach dem Roman entstanden) interessant, da in ihm ähnliches Material wie im Roman verarbeitet wird - dort aber in quasi autobiografischer Form. Bzw. das stimmt nicht ganz: Im Tagebuch-Fragement (das Walser übrigens ins Reine schrieb und also wahrscheinlich veröffentlichen wollte - was aber zu Lebzeiten nicht geschah) führt Walser eine Auseinandersetzung zwischen Fiktion und Wirklichkeit. Unter anderem heißt es dort:
"Dies(...) stellt übrigens keineswegs ein photographisch treu abgebildetes Stück Wirklichkeit dar, sondern (...) beruht zum Teil auf einer immerhin vielleicht ganz hübschen Eingebildetheit. Ich meine, es gehöre zur Vollständigkeit dessen, was wirklich ist, daß man sich hie und da etwas einreden oder einbilden dürfe, mit anderen Worten, unsere Einbildungen sind genauso wirklich, wie es unsere sonstigen Wirklichkeiten sind.
(...)
Natürlich bin ich auch des Glaubens, daß es im höchsten Grad nützlich sei, wenn man Einbildungen bekämpft, doch neige ich zu der Ansicht, daß man es mit diesem Kampf nicht i-tüpfelchenhaft genau zu nehmen braucht.
(...)
Eine Erzählung im Ich-Stil oder in der Ich-Vortargsart erfordert eben an sich etwas wie Mut, was übrigens eine ganz schlichte moralische Erscheinung ist. Schlichtes Auftreten setzt immer ein bißchen Tapferkeit voraus, und mit dieser Art Tapferkeit aufs beste ausgestattet, bringe ich nunmehr vor, ich hätte in diesen bereits mehrmals erwähnten Tagen, die soeben an meinem Ich vorübergingen, indem sie Spuren, Falten, Einschnitte usw. in meinem Wesen hinterlassen zu haben scheinen, eine Frau kennen gelernt, die sich dadurch gleichsam reizend benahm, daß sie sich bedeutender gebärdet haben könnte, als die Wirklichkeit zuließ. Die Wirklichkeit runzelte gleichsam bezüglich ihres Benehmens, das etwas zu romantisch zu sein schien, die Stirne."
(Robert Walser: Sämtliche Werke, Band 18, S. 59 - 110)
"Dies(...) stellt übrigens keineswegs ein photographisch treu abgebildetes Stück Wirklichkeit dar, sondern (...) beruht zum Teil auf einer immerhin vielleicht ganz hübschen Eingebildetheit. Ich meine, es gehöre zur Vollständigkeit dessen, was wirklich ist, daß man sich hie und da etwas einreden oder einbilden dürfe, mit anderen Worten, unsere Einbildungen sind genauso wirklich, wie es unsere sonstigen Wirklichkeiten sind.
(...)
Natürlich bin ich auch des Glaubens, daß es im höchsten Grad nützlich sei, wenn man Einbildungen bekämpft, doch neige ich zu der Ansicht, daß man es mit diesem Kampf nicht i-tüpfelchenhaft genau zu nehmen braucht.
(...)
Eine Erzählung im Ich-Stil oder in der Ich-Vortargsart erfordert eben an sich etwas wie Mut, was übrigens eine ganz schlichte moralische Erscheinung ist. Schlichtes Auftreten setzt immer ein bißchen Tapferkeit voraus, und mit dieser Art Tapferkeit aufs beste ausgestattet, bringe ich nunmehr vor, ich hätte in diesen bereits mehrmals erwähnten Tagen, die soeben an meinem Ich vorübergingen, indem sie Spuren, Falten, Einschnitte usw. in meinem Wesen hinterlassen zu haben scheinen, eine Frau kennen gelernt, die sich dadurch gleichsam reizend benahm, daß sie sich bedeutender gebärdet haben könnte, als die Wirklichkeit zuließ. Die Wirklichkeit runzelte gleichsam bezüglich ihres Benehmens, das etwas zu romantisch zu sein schien, die Stirne."
(Robert Walser: Sämtliche Werke, Band 18, S. 59 - 110)
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