Dienstag, 28. Dezember 2010
Arnold Stadler - Ein hinreissender Schrotthändler
marek_bergmann, 23:05h
Protokoll zur Sitzung am 16.12.
Beim letzten Zirkel waren anwesend Adelheid, Almut, Frank Sommer, Sue und ich. Zunächst hörten wir eine CD, auf der Kurzeck selbst zu hören war. Er sprach über Veränderungen in Gießen, natürlich zum schlechteren hin. Konkretes Beispiel war eine Brücke, die seiner Ansicht nach sinnlos abgerissen wurde, obwohl sie nicht defekt war und durch einen Neubau ersetzt wurde, der bald kaputt ging und häßlicher als die alte Brücke war. Auffallend war, dass Kurzeck hier von einer Absicht eines nebulösen "sie" (gemeint wohl der Staat) sprach. Etwas, was historisch wirkt, da der Staat nicht mehr die Rolle als Gegner hat, wie er sie vielleicht früher hatte und die Bedrohung mehr von Außen (Islam) empfunden wird.
Wir sprachen noch kurz über Kurzeck, dessen Roman im Lichte Stadler etwas gewann. Einig waren wir uns, dass ihm gute poetische Beschreibungen gelingen, es aber schwierig ist über die gesamte Distanz am Ball zu bleiben. Gelobt wurde sein Ausflug mit Sibylle in einen anderen Stadtteil. Interessant war auch die Idee der Vergänglichkeit. Das Beschreiben der Vergangenheit kann schnell mit Wehmut einhergehen über das Unwiederbringliche. Allerdings sollte der Autor der billigen Versuchung widerstehen, wegen dieser Nichtwiederholbarkeit dazu übergehen, die Vergangenheit richtiger und besser zu sehen als die Gegenwart, nur weil man Teil der Vergangenheit war. Allerdings kann man Kurzeck diesen Vorwurf im Buch kaum machen. Andreas Maier vielleicht im Mein Zimmer aber sicherlich nicht in Wäldchestag
Arnold Stadler konnte bei keinem Anklang finden. Die Berufe der Protagonisten, Geschichtslehrer, Handchirugien, Schrotthänlder, werden mehr behauptet, als dass sie tatsächlich eine Rolle spielen. Der Handlungsort Köln bleibt bis auf den Aachener Weiher merkwürdig gesichtslos. Auch die Zeit wird nicht richtig spürbar. Zwar wird der Roman durch die Erwähnung der Wahl 1998 zunächst konkret verortet, doch wie in anderen Fällen wird auch dieses nicht weiter ausgebaut. So interessant das Augangssetting auch zu sein scheint, so wenig gelungen ist die Ausführung. Insgesamt wird der Plot verschenkt. An manchen Stellen schien es zunächst, als ob wir es mit einem unzuverlässigen Erzähler zu tun hätten, welches aber nachher nicht mehr so wirkt. Kontrovers wurde z.B. die Stelle diskutiert, als alle am FKK-Strand sind und Adrian und Gabi verschwinden. Ist etwas "passiert" und warum machten sie es so öffentlich? Einige Situationen werden vom Autor überspitzt dargestellt, so dass man manchmal das Gefühl hat eine Satire zu lesen, welche nicht lustig ist. Insgesamt paßt wenig zusammen, auch der Stil konnte nicht überzeugen, manche Stelle sind sogar grammatisch nicht in Ordnung. Frank äußerte die These, Stadler habe diesen Roman wohl ziemlich schnell runtergeschrieben. Ferner hat man manchmal dass Gefühlen einzelne Glossen zu lesen.
Für die, die weiter fortgeschritten waren, erschien der zweite Heimatteil etwas besser als der erste Teil. Stadler versucht hier nicht mehr lustig zu sein, auch die Figuren wirken lebendiger als zuvor. Nur mit dem Schluß konnten wir uns nicht anfreunden. Klar als Zusammenfassung konzipiert, behauptet Stadler hier explizit eine Metaebene des Romans, die so vorher gar nicht da war und selbst wenn sie dagwesen wäre, wäre es eleganter gewesen, die Deutung dem Leser zu überlassen. Auch mit der Sexualisierung hat Stadler dem Roman keinen Gefallen getan, manches, wie die FKK Beschreibung, wirkt verklemmt. Bleibt nur zu hoffen, dass unser nächstes Buch besser wird. Mindestens ein Mal wollten wir über das Buch aber noch sprechen.
Beim letzten Zirkel waren anwesend Adelheid, Almut, Frank Sommer, Sue und ich. Zunächst hörten wir eine CD, auf der Kurzeck selbst zu hören war. Er sprach über Veränderungen in Gießen, natürlich zum schlechteren hin. Konkretes Beispiel war eine Brücke, die seiner Ansicht nach sinnlos abgerissen wurde, obwohl sie nicht defekt war und durch einen Neubau ersetzt wurde, der bald kaputt ging und häßlicher als die alte Brücke war. Auffallend war, dass Kurzeck hier von einer Absicht eines nebulösen "sie" (gemeint wohl der Staat) sprach. Etwas, was historisch wirkt, da der Staat nicht mehr die Rolle als Gegner hat, wie er sie vielleicht früher hatte und die Bedrohung mehr von Außen (Islam) empfunden wird.
Wir sprachen noch kurz über Kurzeck, dessen Roman im Lichte Stadler etwas gewann. Einig waren wir uns, dass ihm gute poetische Beschreibungen gelingen, es aber schwierig ist über die gesamte Distanz am Ball zu bleiben. Gelobt wurde sein Ausflug mit Sibylle in einen anderen Stadtteil. Interessant war auch die Idee der Vergänglichkeit. Das Beschreiben der Vergangenheit kann schnell mit Wehmut einhergehen über das Unwiederbringliche. Allerdings sollte der Autor der billigen Versuchung widerstehen, wegen dieser Nichtwiederholbarkeit dazu übergehen, die Vergangenheit richtiger und besser zu sehen als die Gegenwart, nur weil man Teil der Vergangenheit war. Allerdings kann man Kurzeck diesen Vorwurf im Buch kaum machen. Andreas Maier vielleicht im Mein Zimmer aber sicherlich nicht in Wäldchestag
Arnold Stadler konnte bei keinem Anklang finden. Die Berufe der Protagonisten, Geschichtslehrer, Handchirugien, Schrotthänlder, werden mehr behauptet, als dass sie tatsächlich eine Rolle spielen. Der Handlungsort Köln bleibt bis auf den Aachener Weiher merkwürdig gesichtslos. Auch die Zeit wird nicht richtig spürbar. Zwar wird der Roman durch die Erwähnung der Wahl 1998 zunächst konkret verortet, doch wie in anderen Fällen wird auch dieses nicht weiter ausgebaut. So interessant das Augangssetting auch zu sein scheint, so wenig gelungen ist die Ausführung. Insgesamt wird der Plot verschenkt. An manchen Stellen schien es zunächst, als ob wir es mit einem unzuverlässigen Erzähler zu tun hätten, welches aber nachher nicht mehr so wirkt. Kontrovers wurde z.B. die Stelle diskutiert, als alle am FKK-Strand sind und Adrian und Gabi verschwinden. Ist etwas "passiert" und warum machten sie es so öffentlich? Einige Situationen werden vom Autor überspitzt dargestellt, so dass man manchmal das Gefühl hat eine Satire zu lesen, welche nicht lustig ist. Insgesamt paßt wenig zusammen, auch der Stil konnte nicht überzeugen, manche Stelle sind sogar grammatisch nicht in Ordnung. Frank äußerte die These, Stadler habe diesen Roman wohl ziemlich schnell runtergeschrieben. Ferner hat man manchmal dass Gefühlen einzelne Glossen zu lesen.
Für die, die weiter fortgeschritten waren, erschien der zweite Heimatteil etwas besser als der erste Teil. Stadler versucht hier nicht mehr lustig zu sein, auch die Figuren wirken lebendiger als zuvor. Nur mit dem Schluß konnten wir uns nicht anfreunden. Klar als Zusammenfassung konzipiert, behauptet Stadler hier explizit eine Metaebene des Romans, die so vorher gar nicht da war und selbst wenn sie dagwesen wäre, wäre es eleganter gewesen, die Deutung dem Leser zu überlassen. Auch mit der Sexualisierung hat Stadler dem Roman keinen Gefallen getan, manches, wie die FKK Beschreibung, wirkt verklemmt. Bleibt nur zu hoffen, dass unser nächstes Buch besser wird. Mindestens ein Mal wollten wir über das Buch aber noch sprechen.
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